 |
Gegen Ende
des vergangenen Jahrhunderts entschied man, eine Struktur zu
bauen, die aufgrund ihres umfassenden Services (erster Bau
in 1630 m Höhe, mit elektrischem Strom) dazu ausersehen
war, zur Legende zu werden. Um 1893 entstand genau dort, wo
es zuvor Sümpfe und Gestrüpp gab, das gleichzeitig
imposante wie anmutige und elegante Gebäude des GRAND
HOTEL KAREZZA. An der Realisierung waren überwiegend einheimische
Arbeitskräfte beteiligt (zu manchen Zeiten waren bis zu
560 Handwerker auf der Baustelle). Am 8. Juli 1896 wurde es
mit großem Aufwand und im Beisein des mitteleuropäischen
Adels eingeweiht.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein für die damalige
Epoche wirklich unglaubliches Phänomen: Beim Hereinbrechen
der Dunkelheit wurden Hunderte von Fenstern ... elektrisch erleuchtet.
Eine absolute Neuheit für die damalige Zeit.
Am 13. Juli 1897 wurde die kleine Kirche des Hl. Josef errichtet,
die für die religiösen Bedürfnisse der Hotelgäste
und der Bevölkerung gedacht war. Sie wurde als ein wesentlicher
Bestandteil des Hotels erachtet und daher entsprechend gepflegt.
|
|
| |
Im August
1897 hielt sich Kaiserin Elisabeth des österreichisch-ungarischen
Kaiserreiches (besser bekannt als “Sissi”) hier
auf Rat Ihres Leibarztes auf, der in Zusammenarbeit mit Doktor
Christomannos, dem Initiator des Projekts Karezza, die Verwandlung
des Komplexes in eine Sommerresidenz für die Kaiserin
anstrebte.
Am 18. August, dem Geburtstag des Kaisers, wurde mit einem
großartigen Fest in den Sälen der Residenz gefeiert;
es war ein großes, gesellschaftliches und patriotisches
Ereignis. Der Ruf des Grand Hotel Karezza ging über die
europäischen Grenzen hinaus und in den ersten Jahren des
neuen Jahrhunderts wurden Tennisplätze und ein Golfplatz
(eine 9-Loch Anlage) nach amerikanischem Vorbild angelegt.
In der Umgebung des Hotels wurden Freiräume geschaffen,
wie z.B. ein Park mit Bänken, Wiesen, Wege und ein Spielplatz.
Das Grand Hotel begann auch im Hinblick auf die Küche
mit einer Tradition: Das Menü sah unter anderem das “Filet
Wolkenstein”, frische Forellen aus dem Gardasee, “Bratspießchen
Sowaroff” sowie die berühmten “Andreas-Hofer-Kuchen” vor.
Dazu wurden typische Weine jeder Region und Nation gereicht.
Am 15. August 1910 begann um 9.45 Uhr in Deutschnofen die Prozession
der “Madonna d’Agosto”. Dabei sahen einige
Gläubige eine schwarze Rauchwolke über dem Grand
Hotel aufsteigen: Ein verheerender Brand zerstörte das
Hotel völlig. Glücklicherweise gab es keine Opfer
zu beklagen, sondern nur beträchtlichen, materiellen Schaden.
|
|
| |
Fast unmittelbar
danach wurde entschieden, das Hotel wieder neu aufzubauen.
Nur zwei Jahre später wurde es in seiner neuen Gestalt
und mit größerer Aufnahmekapazität eingeweiht:
350 Zimmer mit fast 500 Betten. Für seinen Betrieb waren
etwa 200 bis 220 Angestellte erforderlich. Während des
ersten Weltkriegs war im Grand Hotel das Generalkommando
der österreichischen Division untergebracht. 1920 wurde
die von den Kriegsereignissen beschädigte Einrichtung
vollständig erneuert. Der Krieg hatte zu einer fast
völligen Einstellung des Hotelbetriebs geführt
und man musste bis zum Jahr 1925 warten, um das Hotel wieder
vollständig in Betrieb zu nehmen. Adelige und Angehörige
der oberen Gesellschaftsschicht hatten sich in der Zwischenzeit
anderweitig beholfen und das Hotel wurde nun zum "Domizil" von überwiegend
aus dem Ausland kommenden Industriellen und Geschäftsleuten.
Auch die Pferdekutschen ließ man hinter sich, denn
man erreichte das Grand Hotel nun per Automobil auf der ausgebauten
Straße des Eggentals.
|
|
| |
Es begannen
Jahrzehnte andauernder Glanzzeit des Hotels, denen auch die
weltweite Rezession in den 30er Jahren nichts anhaben konnte.
In dieser Zeit wurde auch ein aus sechs Musikern bestehendes
Orchester fest engagiert, das dazu beitrug, den Charme des
Hotels noch zu mehren. In dieser Atmosphäre kam die
Schriftstellerin Agatha Christie als Gast in das Grand Hotel.
Genau hier, in der Region des Karerer Sees, siedelte sie
ihren Kriminalroman "Die Großen Vier" mit
Inspektor Poirot an, wobei das Delikt seinen Epilog im Labyrinth
des Latemar findet. Der zweite Weltkrieg markierte den Beginn
einer Zeit des Verfalls, während der das Hotel von den
Deutschen als Krankenhaus und Hospiz für die Generalkommandos
der SS genutzt wurde. Erst 1947 sollte es wieder seiner ursprünglichen
Aufgabe zugeführt und erneut für den Aufenthalt
illustrer Gäste vorbereitet werden, die nicht lange
auf sich warten ließen. Der 3. August war ein weiterer,
denkwürdiger Tag, da der englische Premierminister Winston
Churchill mit seiner Frau und seinem Gefolge hier Station
machte. Dank des schönen Wetters und des inspirierenden
Panoramas konnte er sich seiner bevorzugten Beschäftigung
widmen: dem Malen. Zum Zeichen der Hochachtung bilden die
Räume, in denen er sich aufhielt, heute die “Suite
Churchill”.
|
 |
|